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2011

Tag des offenen Denkmals 2011 – Gedanken zur Situation und zu den Entwicklungsabsichten auf dem denkmalgeschützten Schießhausgelände

Am 11. September, einem herrlicher Sonntag, konnte anlässlich des alljährlichen Tages des offenen Denkmals auch das Schießhausgelände besichtigt werden.

Aus dem Programm für diesen Tag war zu entnehmen, dass der Eigentümer des Schießhausgebäudes, Herr Hoffmann, jeweils um 10:00, um 12:00 und um 14:00 Uhr Führungen anbietet.

Wer den Festsaal des Gesellschaftshauses noch nicht gesehen hatte, ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, dieses Kleinod zu bestaunen.

Auch die Eigentümerin der vorgelagerten Freifläche, die LEG Thüringen, hat den Tag genutzt, ihre Pläne der Bebauung des Geländes vorzustellen und so aus dem Denkmaltag eine Verkaufspräsentation zu machen.

Im offengelegten Bebauungsplanentwurf ist abwertend die Rede von einer Brachfläche; folgerichtig betrachtet die LEG die Zerstörung dieses historisch bedeutsamen Wirkungsraums, der den gleichen Denkmalstatus hat wie das Gebäude, als eine „Aufwertung“ des Geländes. Mit vier Häuserreihen wird ein Landschaftsgefüge mit barocken Elementen, in das Goethe und der Schlossbaumeister Heinrich Gentz 1803-05 das Schießhausgebäude mit landschaftlicher und städtebaulicher Wirkung eingefügt haben, zunichte gemacht. Das Schießhausgebäude, nur als Einheit mit dem Vorplatz und der ehemaligen Festwiese zu denken, würde durch die beabsichtigte Bebauung zum Hinterhof degradiert. Das Kernelement der westlichen Freifläche, die ehemals direkt an das Schießhaushölzchen angrenzende Allee – immerhin sind dort noch mehr als 20 mächtige historische Bäume erhalten – soll nicht etwa im Sinne einer denkmalpflegerischen Maßnahme ergänzt und wieder hergestellt werden, sondern wird durch eine per Neupflanzung baumgesäumte Verkehrsstraße ersetzt, ohne historischen Bezug und ohne vergleichbare Wirkung. Außerdem sieht der Bebauungsplan vor, dass auf der Fläche etwa 80 Bäume der Säge zum Opfer fallen. Dies alles ist inzwischen bekannt, ist aber für die Stadt Weimar und für die LEG nicht Anlass, die Bebauungsplanung zu überdenken oder sich mit den aktuellen wissenschaftlichen Ergebnissen näher zu beschäftigen. Diese neuesten Forschungen bewogen zumindest das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur dazu, das Landesamt für Denkmalschutz und Archäologie zu beauftragen, zwei unabhängige Gutachten erstellen zu lassen. Es soll geprüft werden, ob das Ministerium eine nachträgliche Aufnahme in das UNESCO-Weltkulturerbe „Klassisches Weimar“ beantragen soll. Denn es gibt Fachleute, die das gesamte Kulturdenkmal (7,9ha) dem Welterbe „Klassisches Weimar“ zuordnen wollen und einen entsprechenden Ergänzungsantrag für vielversprechend halten. Bis zur Bewertung dieser Gutachten dürfen keine irreversiblen Fakten durch einen Bebauungsplan geschaffen werden. Der besorgte Bürger kann unter Berücksichtigung der Fakten nicht nachvollziehen, wie die angebliche Zustimmung der Denkmalbehörden zustande kam. Ihm ist unverständlich,

  • warum durch jahrelange Nichtpflege und Verwahrlosung des chießhausgeländes gegen das ThürDSchG verstoßen wird,
  • warum bereits 1996 beim Bau der Wohnhäuser Amalienhöhe, die den Blick vom Schießhaus zur Stadt versperren, gegen den Umgebungsschutz lt. ThürDSchG verstoßen wurde,
  • warum im Flächennutzungsplan von 2003 der Denkmalstatus des Schießhausgeländes verschwiegen wurde, um eine Wohnbaufläche darstellen zu können,
  • warum im lfd. B-Planverfahren der Denkmalstatus erst verschwiegen und dann irreführend verharmlost wird.
  • wie es zu der Absicht kommt, zwei Ortsatzungen außer Kraft zu setzen, die ausdrücklich dem Schutz des Schießhausgeländes dienen.
  • warum die Überlegungen zum Welterbe-Status nicht als Chance begriffen werden.

Die BI kennt die Argumente, die von der LEG und übrigens auch vom Bauausschuss dieser Stadt vorgebracht worden sind.

  • Die erfreuliche Tatsache, dass für Weimar eine wachsende Zahl von Einwohnern prognostiziert wird, führt dazu, dass die Bebauung einer denkmalgeschützten Fläche als zwingend dargestellt wird. Dabei wird vernachlässigt, dass es eine entsprechende städtebauliche Konzeption, die einer steigenden Einwohnerzahl langfristig Rechnung trägt, offensichtlich nicht gibt. Wenn es sie gäbe, würde kein Verantwortlicher ausgerechnet eine Denkmalfläche bebauen wollen.
  • Die Stadt steht unter Sparzwang; eine zusätzliche Fläche – auch wenn es ein hochwertiges Parkgelände mit ähnlichem Status wie der Park an der Ilm werden könnte – würde die Stadt überfordern. Aber über die von der BI vorgelegten „Überlegungen zu einer Pflegekonzeption“ unter den Bedingungen minimaler Kosten wird nicht nachgedacht.
  • Den Weimarern ist natürlich die Attraktivität einer Wohnlage auf dem Schießhausgelände bewusst. Da wird der Druck der Kaufwilligen möglicherweise das Handeln beeinflussen.

Diese Argumente sind kein Grund, ein Kulturdenkmal dieser Bedeutung zu vermarkten und die ökonomischen Interessen vor die kulturellen zu stellen. Dies entspricht auch nicht der Weimarer Tradition.

Die Diskussionen am Informationsstand der Bürgerinitiative haben gezeigt, dass der überwiegende Teil der Besucher die Auffassung der BI teilt, also eine denkmalverträgliche Lösung durchgesetzt werden sollte. Allein an diesem Tag haben mehr als 100 Sympathisanten den Aufruf der BI unterzeichnet, in dem eine wesentliche Reduzierung der Bebauung gefordert wird.


Dryander (für die BI) | 12.09.2011

2010

Zum Tag des offenen Denkmals 2010 informierte die Bürgerinitiative die Öffentlichkeit vor Ort über die Situation [mehr ansehen / herunterladen].

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Zuletzt geändert: 2017/07/03 05:27