Meinung von Herrn Prof. Bach

Schreiben vom 6. März 2011 an die Blick aus Richtung Tiefurt Bürgerinitiative
„Rettet das Schießhausgelände jetzt“

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrter Herr Dryander,
lieber Heinz Schwarzbach,

nachdem mir die Absicht der Stadt Weimar bekannt wurde, am denkmalgeschützten historischen Schießhausplatz Parzellen für den Bau privater Wohnhäuser anzubieten, möchte ich aus stadtplanerischer Hinsicht schwerwiegende Bedenken gegen diese Vorhaben geltend machen. Ich war von 1958 bis 1964 Baudirektor in Weimar und trug in dieser schwierigen Zeit Verantwortung für das aktuelle Bauen wie auch für die mittel- und langfristige städtebauliche Entwicklung der Stadt. Das von Gentz mit großer Anteilnahme von Goethe errichtete klassizistische Gebäude mit den zugehörigen Freianlagen für Begegnungen und Feste der Bürger Weimars konnte und kann ich auch heute nur als gelungenes Gesamtkunstwerk dieser Zeit ansehen. Es sollte ungeteilt im Parkgürtel der Stadt mit aller Konsequenz erhalten und geschützt werden, auch wenn das Ensemble durch Fremdnutzung und unsachgemäße Nachbarbauten litt und zeitweilig dem Blickfeld der Öffentlichkeit entzogen war.

In diesem Sinne möchte ich die Argumente der Bürgerinitiative „Rettet das Schießhausgelände jetzt“ ohne Einschränkung unterstreichen. Es liegt nahe, Schießhaus und Festplatz (letzterer war nie ein Garten oder eine Wiese) durchaus mit gleicher Augenhöhe zu bewerten wie den „Stern“ im Park an der Ilm. Hier schuf man den besonderen Rahmen für Unternehmungen des aufstrebenden Bürgertums, dort den Platz für höfische Feste. Zu beiden Anliegen sollten wir heute stehen, ganz im Verständnis dieser Zeit . Das kulturgeschichtlich bedeutsame Denkmal auf der Anhöhe des Ilmbogens erhielte damit einen doppelten Wert: Platz für Erholung und Freizeit der Bürger und liebenswertes Ziel touristischer Wege auf den Spuren der Klassik zu sein.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr.-Ing. Joachim Bach per Mail, Ausgabedatum: 06.03.2011

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Zuletzt geändert: 2011/03/08 10:00