Schießhausgelände Weimar - Überlegungen zu einem denkmalgerechten Nutzungskonzept für die bestehende Gesamtfläche von 7,9 ha

Grundlage : Gartendenkmalpflegerisches und nutzungsorientiertes Pflegekonzept für die Freiflächen, Stand 19.05.11

Die in jüngster Zeit im Schießhausgebäude durch den Investor organisierten öffentlichen und privaten Nutzungen (vgl. zuletzt TA vom 08.08.11) sind grundsätzlich positiv zu bewerten. Damit steht zunächst das Gebäude der Öffentlichkeit in angemessener und denkmalverträglicher Weise zur Verfügung. Die Nutzungen beziehen sich jedoch nur auf das Gebäudeinnere, es besteht kein funktionaler Zusammenhang mit dem unmittelbaren Gebäudeumfeld und mit den ausgedehnten Freiflächen.

Im Vergleich dazu sind der Zustand, die Zugänglichkeit und die Nutzungsmöglichkeiten der Freiflächen noch nicht befriedigend bzw. noch nicht gegeben. Ermöglicht werden sollten Nutzungen im Zusammenhang mit der Nutzung des Gebäudes sowie eigenständige Nutzungen auf den Freiflächen. Dies würde auch einer Wiederbelebung der historischen Nutzungssituation in einer heute zeitgemäßen Ausprägung und damit der allgemeinen Zielsetzung des Denkmalschutzes entsprechen.

Eine wesentliche Voraussetzung dafür sind die Durchführung eines gartendenkmal- pflegerischen und nutzungsorientierten (praktischen) Pflegekonzepts und die Einbeziehung des Schießhausgeländes in das Freiraumentwicklungskonzept für das Stadtgebiet.

Eine allgemein öffentliche Nutzung der Freiflächen kann ermöglichen: Naturgenuss; Bewegung in der Natur; disponible soziale Nutzungen im sog. Wirkungsraum; geeignete Veranstaltungen im Wirkungsraum; temporäre Installationen; Durchgangsraum für Landschaftserlebnis.

Erste Schritte (mit geringem Kostenaufwand) zur Ertüchtigung der denkmalgeschützten Flächen für solche Nutzungen wären:

  • Historisch orientiertes Wegesystem mit einfachen Mitteln gefahrlos und barrierefrei nutzbar machen
  • Gehölzaufwuchs (Sukzession) im sog. Wirkungsraum beseitigen, die Fläche ohne Veränderung der Topografie egalisieren, Landschaftsrasen einsäen
  • Überprüfung der historischen Altbäume auf Verkehrssicherheit und Durchführung der notwendigen Sicherungsmaßnahmen
  • Entfernen von Resten ehemaliger Einfriedigungen

Bei diesen Maßnahmen ist die noch vorhandene historische Substanz auf den Freiflächen (insbesondere die historischen Alleebäume) sorgfältig zu erhalten, als Voraussetzung für eine nachfolgend wünschenswerte denkmalgerechte Instandsetzung des gesamten Areals auf Grundlage eines sog. (konzeptionellen) Parkpflegewerkes.

Das Schießhausgelände ist in das städtische Freiraum- und Wegesystem einzubeziehen. Verknüpfungen für Wander- und Radwege sind wünschenswert: von der Stadt zum Schießhausgelände; von dort zwei Verbindungen durch das Hölzchen zur Ilm; eine Verbindung zum Webicht. Auch die Kleingartenanlage wäre dadurch für öffentlichen Durchgang zu erschließen. Hilfreich sind entsprechende Wegemarkierungen.

Ergänzend ist auf die stadtökologisch-stadtklimatische Funktion der ausgedehnten (und nur begrenzt zu bebauenden) Freiflächen hinzuweisen (Kaltluftentstehungs- und abflussgebiet) sowie auf die Flächenfunktion für den Natur- und Landschaftsschutz.


Prof. Dipl.Ing. Frank Blecken, Gartenhistoriker und Gartendenkmalpfleger, 08.08.11

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Zuletzt geändert: 2017/07/03 07:27